Postkarten aus Aetherra

So haben wir diese Rubrik genannt, in der Ihr nach und nach wichtige Locations aus UNBENDED in Augenschein nehmen könnt, damit Ihr ein wenig vorbereitet seid auf die Tage, in denen Ihr unseren Kontinent selbst bereisen werdet. Unsere POSTKARTEN AUS AETHERRA widmen sich neuralgischen Orten, die für die Handlung von besonderer Bedeutung sind. Mögen sie Euch bei der Orientierung helfen und Euch ein wenig auf Aetherra einstimmen. Für uns sind die „Postkarten“ übrigens von noch weitergehender Bedeutung, denn sie stellen gleichzeitig eine wichtige Leitlinie für unsere „Landschaftsgrafiker“ dar. Vieles von dem, was Ihr hier zu sehen bekommt, werdet Ihr in UNBENDED wiederfinden.


DER SCHLUND VON DIMONA

Schlund von DimonaWer uns in der Vergangenheit bereits gefolgt ist, wenn wir über die Geschichte und die Kreaturen des Kontinents berichtet haben, dem wird der Name dieses überaus seltsamen Ortes sehr wohl ein Begriff sein, denn der Schlund von Dimona fand erstmals bei der Vorstellung der Schlundvampire Erwähnung, deren Reich tief im Schlund verborgen liegt. Das ist jedoch längst nicht alles, was wir heute über den Schlund von Dimona wissen und für Reisende in Aetherra kann es sich als überlebenswichtig erweisen, mehr über diese als verdammt geltende Region im äußersten Südwesten des Kontinents zu wissen.

Folgt man den Erkenntnissen der Ersten Chronisten, gehört der Schlund von Dimona zu den legendären Orten der Schöpfung. Die Vorfahren der Monster, die wir heute als Schlundvampire bezeichnen, versteckten sich einst in den finsteren Tiefen dieser Höhlen, um von Aureth nicht vom Antlitz der Welt gefegt zu werden, als diesem klar wurde, dass sich dunkle Schatten über Teilen seiner Schöpfung ausgebreitet hatten. Aureth war damals noch jung und diese Kreaturen gehörten zu seinen ersten Schöpfungen. Er ahnte nicht, dass nicht nur seine eigenen Energien, die er aus den Sphären der Kreation bezog, dazu in der Lage waren, seine Kinder zu formen. Doch das ist eine ganz andere Geschichte, die wir Euch beizeiten erzählen werden.

Nun, in jenen Tagen verhielt es sich so, dass der junge Schöpfer die Energien, die er für sein Werk benötigte, nicht dauerhaft aus seiner heimischen Sphären beziehen konnte, da seine Macht nicht dazu ausreichte, diese Kanäle zu stabilisieren. So legte er Reservoire an verschiedenen Stellen des noch nicht belebten Kontinents an und unter dem Einfluss dieser Mächte des Anfangs begann sich schließlich das Land zu formen. Eine dieser Ausformungen wurde später als Schlund von Dimona bekannt, ein Ort, an dem die Schöpfungsmächte bis heute ihren Einfluss ausüben. Und stimmt das, was die Ersten Chronisten einst niederschrieben, dann liegt tief im Schlund von Dimona etwas verborgen, das niemals wieder einen Fuß auf die Welt der Lebenden setzen sollte und das schon einmal in der Geschichte Aetherras für unbeschreibliches Grauen gesorgt hat. Was genau in diesem Zeitalter vor dem Aufstieg der Zweitgeschaffenen geschah, ist uns jedoch unbekannt.

Wer die Gebiete um den Schlund meidet, handelt weise. Und wer versucht, das zu ergründen, was schon so lange verborgen liegt, benötigt die Macht eines Gottes. Nur wenige Reisende findet man aus diesem Grund auf den lange verlassenen Pfaden, die zum Schlund führen. Nicht nur die Nähe zu den tödlichen Schlundvampiren versetzt die Bewohner der kargen Lande des äußersten Südwestens in ständige Angst. Auch denjenigen Kreaturen, die in der Nähe des Schlundes neuerdings mitten am Tage wandeln, wird nachgesagt, dass Menschen zu ihrer bevorzugten Beute gehören. Sollte Euch Eure Reise irgendwann in die Nähe des Schlunds von Dimona führen – erinnert Euch dieser Worte und wählte Eure Wege mit Vorsicht und Verstand.


DIE GÖTTERKUPPE

GoetterkuppeEs lässt sich kaum bestreiten: Auf unseren bisherigen Reisen durch Aetherra haben wir Euch bevorzugt Orte vorgestellt, an denen nur selten ein fröhliches Lied zu hören ist. Das liegt nicht zuletzt in der Tatsache begründet, dass der Kontinent eine zumeist blutige Geschichte zu erzählen hat und viele der Kreaturen des Anfangs, also diejenigen, welche die frühe Welt in Besitz nahmen, als der Schöpfer selbst noch unerfahren war, haben ihre Spuren hinterlassen. Aber – es gibt auf Aetherra auch Stätten des Lichts, der Heilung und der Erkenntnis und keine, noch so tiefe Dunkelheit hat es bis zum heutigen Tage vermocht, sie dauerhaft in ihre Schatten zu ziehen. Es sind genau diese Orte, die uns lehren, dass Licht und Dunkelheit letztlich nur zwei Seiten einer Medaille sind, dass das eine das andere bedingt und dass wir niemals den Mut sinken lassen dürfen – egal, wie schlecht die Dinge stehen. Denn ein neuer Tag kommt.

Einer dieser Orte ist die Götterkuppe und ihr ist diese Postkarte gewidmet.

Die Götterkuppe – oder Ayel Theara, was in der alten Sprache so viel wie „Hohe Welt“ bedeutet – gehört zu den außergewöhnlichsten Orten, die Ihr in Aetherra finden könnt. Dass dieser besondere Berg kein Ergebnis natürlicher, geologischer Vorgänge ist, steht für viele Gelehrte zweifelsfrei fest. Bereits das glänzende, fast unzerstörbare Gestein, aus dem die Götterkuppe zum Teil besteht, gibt Rätsel auf, denn etwas Ähnliches wurde im Rest der bekannten Welt nie gefunden. Der Aufstieg zur Spitze der Kuppe, die von einem seltsamen Plateau gebildet wird, das, den ältesten Geschichten nach, eine Art gewaltigen Altar beherbergt, ist ein unter Umständen tödliches Unterfangen. Nicht nur scheint der die Kuppe umgebende, aus blankem Stein geschlagene Weg die Sinne von Reisenden zu verwirren, so dass sich diese schließlich ohne ersichtlichen Grund und augenscheinlich aus eigenem Antrieb in die Tiefe stürzen. Es wird auch berichtet, dass gewaltige Greifvögel die Höhen der Götterkuppe umkreisen und oft diejenigen mit tödlichen Krallen und Schnäbeln attackieren, die den Unbilden des mühsamen Weges widerstehen konnten.

Was in der Höhe genau zu finden ist, darüber gibt es nur Spekulationen. Belegt ist allerdings, dass die Wenigen, die den Weg zurück in die Welt fanden, fortan nicht mehr redeten und schließlich ganz aus ihr verschwanden. Andere sollen sich plötzlich einer fremden Zunge bedient haben und waren nicht mehr imstande, die gemeinen Sprachen von Aetherra zu verstehen. Gemeinsam ist den Erzählungen über die Besucher der Götterkuppe jedoch, dass jeder von ihnen von einer sanft leuchtenden Aura umgeben war und dass alle, die diese Heimkehrer zu Gesicht bekamen, plötzlich von einem Gefühl vollständigen Glücks ausgefüllt wurden, das noch tagelang anhielt.

Was ist Wahrheit und was ist Legende? Ihr werdet es vermutlich selbst herausfinden müssen. Wir wünschen Euch von Herzen, dass Euch der Aufstieg gelingen möge und dass wir uns eines fernen Tages an einem Feuer, irgendwo in Aetherra, darüber unterhalten können, wie es Euch ergangen ist. Egal in welcher Zunge.


UNSACRED MOUNTAINS

Unsacred MountainsWir heißen Euch willkommen in den Ayhat Ghyn. Das sagt Euch nichts? Kein Wunder, denn dieser Gebirgszug, der für viele Bewohner des äußersten Nordens als der Sitz der Alten Götter gilt, wird nur von den dortigen Ureinwohnern so genannt. In der vermeintlich zivilisierteren Welt sind die „Dolche aus Eis“ besser als Unsacred Mountains bekannt. Doch was brachte dieser Region einen so geringschätzigen und nach Gefahr klingenden Namen ein?

Nun, die Permafrost-Gebiete des Nordens bildeten schon immer eine eigene Welt. Nur dünn besiedelt und durch die lebensfeindlichen Klimabedingungen wenig einladend für Reisende, konnten die Ureinwohner, die am Fuß der Berge siedelten, über Jahrhunderte weitestgehend frei von den ständigen Machtkämpfen und Territorialkriegen leben, die den Rest des Kontinents permanent erschütterten. Das änderte sich jedoch, als eine Gruppe von reisenden Kartographen und Geologen durch Zufall auf einen wahren Schatz stieß: Schwarze Diamanten von schier unfassbarer Größe und Reinheit. Und da die Geschichten von Reichtum und Glück schneller reisen, als selbst der stärkste Sturmwind, machten sich schon bald Menschen aus allen Regionen des Kontinents auf, um den gefrorenen Bergen ihre Schätze zu entreißen.

Doch nicht nur die Kälte sollte sich schnell als erbitterter Feind erweisen. Die Ureinwohner der Bergregion, von deren Existenz bis dahin niemand Kenntnis hatte, waren nicht gewillt, die fremden Landnehmer gewähren zu lassen. Nie hatten die Dhyadayn, die Bergmenschen, etwas erblickt wie diese kleinen aber aggressiven und höchst kriegerisch veranlagten Zwergwesen, die versuchten, in die Gebiete ihrer Stämme einzudringen, um dort – aus Sicht der Bergmenschen – wertlose, dunkle Kiesel aus dem Fels zu schlagen. Glänzende Klingen führten die Winzlinge mit sich, die so scharf geschliffen waren, dass sie selbst die dichten Fellhäute der Dhyadayn durchdringen konnten und so kam es zu blutigen Gemetzeln, die viele das Leben kosten sollten. Als die Bergmenschen die Oberhand zu gewinnen begannen (ihre Waffen waren gewiss weniger vorzüglich, aber die Berge selbst waren ihre Verbündeten, so dass sie mit der Macht von Lawinen und dem zermalmenden Gewicht riesiger Felsen kämpfen konnten), traf ein gewaltiges kaiserliches Heer im Norden ein. Vor dieser Übermacht mussten sich die Bergmenschen schließlich zurückziehen und die Überlebenden stiegen hoch in die Berge hinauf. So hoch, dass die Eindringlinge ihnen niemals hätten folgen können, denn wer diese dünne, eisklare Luft atmen will, der sollte mehr zu bieten haben, als den kümmerlichen Brustkorb eines Gnoms.

Schließlich fanden die Expeditionskorps der Kaiserlichen das, was den Bergen ihren Namen einbringen sollte. In den Chroniken nennt man es „Gottlose Schlachthäuser“. An diesem Ort hatten die riesenhaften Ureinwohner, bei denen es sich, durch die Augen der Menschen gesehen, um primitive Kannibalen handelte, ihre eigenen Artgenossen offenbar geschlachtet und ausgeweidet. Dass in der Kultur der Dhaydayn die „geliebten Gegangenen“ lediglich ihr letztes Opfer gegeben hatten und dass die Bergmenschen alles zu verwerten gelernt hatten, was die Natur ihnen überließ (was sie übrigens in einer feierlichen Zeremonie taten), das sollte von den Menschen nicht verstanden werden. Und so rankten sich schon bald finsterste Legenden um die Bewohner der Berge und nur wenige Abenteurer haben je den Aufstieg in die majestätischen Höhen der Unsacred Mountains gewagt.

Was aus dem sagenhaften Reichtum durch die schwarzen Diamanten wurde, fragt ihr? Nun, es wurde nichts daraus. Auch wenn noch viele Jahre lang Stollen in die Felsen getrieben wurden, fand man nie wieder auch nur den winzigsten Edelstein. Irgendwann zogen auch die letzten Schatzsucher und Glücksritter aus den Bergen ab und ihre Spuren wurden schnell von Eis und Schnee begraben. Die Dhyadayn jedoch sollten nie wieder dorthin zurückkehren, wo sie einst siedelten. Über ihr weiteres Schicksal wissen wir bis heute nichts.


DIE HOHE FESTE DER BHAY-YAN

In Kay-An-Khar, dem südöstlichen Dominion von Aetherra, bildet der Orden der Bhay-Yan, in weiten Teilen der Welt besser als Klingenmeister bekannt, die höchste Kaste des Adels. Und die Quelle der Macht der Klingenmeister liegt unterhalb der Hohen Feste der Bhay-Yan verborgen, der mit Gewissheit wehrhaftesten Festung, die je ein Reisender zu Gesicht bekommen hat. Die Hohe Feste gehört zu den ältesten Bauwerken des Südens und sie legt Zeugnis davon ab, wie hoch die Menschen dieser Region bereits zu sehr frühen Zeiten entwickelt waren. Die Hohe Feste der Bhay-Yan wurde unzählige Male belagert und viele Anstrengungen wurden unternommen, um ihre Mauern zu brechen oder die Zinnen zu erklimmen. Alle schlugen sie fehl und selbst die als unbesiegbar geltenden Elitekämpfer des Roten Heeres von Synn verbluteten zu Hunderten vor den Toren der Hohen Feste. Schenkt man den Chroniken Glauben, verlor in dieser legendären Schlacht kein einziger der Bhay-Yan sein Leben.

Woher stammt die Macht der Feste? Die Antwort ist in ihren Eingeweiden zu finden, denn in den Tiefen unter diesem Ort, findet sich ein besonderes Erz, dem die Bhay-Yan, die Eingeweihten des Stahls, die überlegene Qualität ihrer Waffen und Rüstungen zu verdanken haben. Sie entwickelten sich im Laufe der Jahrhunderte zu wahren Meistern bei der Verarbeitung dieses Materials, das auch als Yihar-Ayan (Hölleneisen) bekannt wurde. Wie die Bhay-Yan dieses Metall herstellen und mit welchen Methoden sie es schließlich bearbeiten, ist nicht bekannt. Es ist das größte Geheimnis dieser verschworenen Gemeinschaft. Wir wissen heute, dass das Hölleneisen von den Bhay-Yan nicht nur zur Waffenherstellung verwendet wird. Und der Grund, warum nie jemand die Mauern ihrer Feste zum Einsturz bringen konnte, ist darin zu finden, dass diese mit endlos langen Bändern aus Hölleneisen verstärkt wurden.

Die Feuer der Schmelzöfen unterhalb der Hohen Feste der Bhay-Yan erlöschen nie und sie werden bei Tag und bei Nacht von den Adepten der Klingenmeister mit Nahrung versorgt, so dass der Strom des Stahls nicht versiegen kann. Einer Legende aus Kay-An-Khar folgend, soll an dem Tag, an dem das Yihar-Ayan aufhört zu fließen, die Herrschaft der Klingenmeister enden. Dass Fremde auf der Hohen Feste ungern gesehen sind, dürfte sich von selbst verstehen. Zu groß ist die Angst vor Spionen und Saboteuren. Aber es existierenden Geschichten über einen geheimen Weg, der älter ist als die Hohe Feste selbst. Gefunden wurde er bis zum heutigen Tage jedoch nie und das Rätsel des Hölleneisens bleibt für all jene bestehen, die nicht zum Orden der Klingenmeister gehören.


DIE EBENEN VON GAIHAEN

plains-of-gaihaenNur wenige Gebiete auf dem Kontinent von Aetherra sind von so vielen Geheimnissen umrankt wie die Ebenen von Gaihaen, und gewiss treten diese Mysterien nirgendwo so offen zu Tage. Geographisch betrachtet, bilden die Ebenen den Übergang zwischen den ersten Ausläufern der Tharischen Höhen und den Wüsten des Südwestens. Viele Reisende wird man hier jedoch nicht antreffen, und die, die uns hier begegnen, haben ihre Reise nicht freiwillig angetreten. Oftmals nehmen Flüchtlinge aus Sedhannia den Weg über die Ebenen, in dem Wissen, dass ihre Häscher diese Region meiden.

Wenn auch keine Wüste, so sind die Ebenen von Gaihaen trotzdem Regionen des Todes. Weder Pflanze, noch Tier entdeckt man in den Ebenen. Ein stetiges Zwielicht liegt über dem Land und obwohl sie nie von einem Sonnenstrahl erhellt werden, sind die Böden verbrannt und tot. Das alleine erklärt aber nicht, warum die Ebenen von Gaihaen so zutiefst angsteinflößend sind. Der Grund hierfür liegt in dem begründet, was die Erde hier teilweise freigegeben hat. Es handelt sich um die sterblichen Überreste gewaltiger Kreaturen, die von einer solchen Dimension sind, dass alleine der Gedanke daran, einem lebenden Exemplar dieser Monstrositäten zu begegnen, selbst die tapfersten Entdecker mit Beklommenheit erfüllt.

In den Schöpfungschroniken von Eloysion heißt es: Lange bevor die ersten Menschen über die Welt wandelten, schuf Aureth eine Rasse, die von Beginn an verderbt sein sollte. Dies war in einer Zeit weit vor der Erschaffung der Äthermeere. Und die Kreaturen wurden Gaihaen genannt. Doch die Gaihaen besaßen finstere Seelen und schon bald musste der Schöpfer mit ansehen, wie sie alles, was er erschaffen hatte, zerstörten und verwüsteten. So tötete er schließlich seine eigenen Kinder, was sein Herz mit so viel Kummer erfüllte, dass er die Ebenen nie wieder betrat, und sie in der Finsternis ließ.


DIE MINEN VON SATHAGA

Der größte Reichtum von Sedhannia ist gleichzeitig der tödliche Fluch für den Westen des Kontinents. In den südlichen Ausläufern der Tharischen Höhen finden wir Sathaga, was in der frühen Sprache „Dämmerfels“ bedeutet. Schon die frühesten Legenden erzählen davon, dass die gewaltigen Felsen als Gefängnis für eine zerstörerische Macht dienen. Auch in der Schöpfungsgeschichte Aetherras ist Sathaga erwähnt. Aureth selbst soll die Macht unter dem Fels, die Kristalle des Anfangs, verwendet haben, um die Oberfläche Aetherras zu formen. Die frühen Herren von Sedhannia, mächtige Freilords, deren Stämme, von Süden kommend, das Land in Besitz nahmen und die Bewohner unterwarfen, hörten von diesen Geschichten. Schließlich begannen sie zu graben. Doch wie sehr sie sich auch mühten – der Fels von Sathaga widerstand jedem Versuch, ihm sein Geheimnis zu entreißen. Dabei wurde der Boden getränkt mit dem Blut Tausender Sklavenarbeiter, die bei diesem Unterfangen den Tod fanden.

Während dieser Zeit der Unterdrückung formierte sich eine Widerstandgruppe, die sich gegen die Freilords und deren grausame Methoden wandte. Angeführt wurden die Rebellen von einem Mann namens Ayhgon, der von sich behauptete, einen Weg in den Fels gefunden zu haben und mit den dort verborgenen Mächten verbunden zu sein. Dieser legendäre Ayghon sollte schließlich der Begründer des Ordens der Kristallmagier werden. Unter Ayghons Führung und – so berichten die Chronisten – im Verbund mit Mächten, die Tod und Vernichtung über die Unterdrücker brachten, konnten die Freilords samt ihrer Armeen schließlich zerschmettert werden. Seit dieser Zeit herrscht der Orden in Sedhannia mit eiserner Faust und Ayghon zeigte den Seinen, wie man den Felsen öffnen und seine machtvollen Geheimnisse nutzen konnte.

Die Macht des Ordens beruht auf den Kristallen, die nur hier in den Minen von Sathaga gefunden werden können. Man sagt, dass jeder Kristall des Anfangs, der aus den Minen stammt, mit dem Leben von 100 Sklaven bezahlt wurde. Die lebensgefährliche Arbeit in den Minen wird von Leibeigenen des Ordens verrichtet. Wer diesen Ort betreten muss, verlässt ihn nicht lebend. Gelingt es ihm doch, so ist er kein Mensch mehr. Zu stark ist der Einfluss dessen, was hier einst in den Fels eingeschlossen wurde und so gelten die Minen von Sathaga den meisten Menschen des Westens als Hort großer Schrecknisse und Übel. Diesem Ort und seinen finsteren Herrschern bleibt man besser fern.


DIE LONE NEEDLE

Die Lone Needle ist das älteste Bauwerk des Nordens. Über seine Erbauer gibt es keine Aufzeichnungen. Eine Legende besagt, dass Aureth der Schöpfer die Lone Needle einst selbst schuf, um von ihrer Spitze aus darüber zu wachen, dass die Kreaturen der Äthermeere nicht zur Gefahr für seine ersten Kinder werden konnten. Als sicher gilt jedoch, dass die Lone Needle einst den Anthair, einem Geschlecht ruchloser Piraten und Schmuggler, die als Vorfahren der Seewächter gelten, als Festung diente. Von hier aus unternahmen die Anthair zahllose Raubzüge entlang der Küstenlinien. Da die Needle auf einer Insel liegt und die damalige Zentralmacht nicht über eine Flotte verfügte, die es ermöglicht hätte, sie seeseitig zu belagern, entstand während der Regentschaft Kaiser Sannassos II. (des legendären Kindkaisers) schließlich, unter hohem Blutzoll, die gewaltige Brücke von Garragh. Die Brücke ist eines der architektonischen Meisterwerke ihres Zeitalters. Über diese Brücke konnten nun die kaiserlichen Heere marschieren und die Schreckensherrschaft der Anthair beenden.

Jahrhundertelang wurde die Lone Needle von der Nordgarnison gehalten, deren Aufgabe darin bestand, die kriegerischen Ureinwohner von den Nördlichen Territorien fernzuhalten. Diese zogen sich schließlich weiter in die Unsacred Mountains zurück und mit dem Erlöschen dieser Gefahr endete auch die lange Wacht der Nordgarnison. Die Lone Needle verlor ihre Bedeutung und auch die stolze Brücke von Garragh wurde dem Verfall preisgegeben.

Wer heute auf der Lone Needle herrscht, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden. Was wir aus den Berichten wagemutiger Reisender wissen, ist jedenfalls wenig beruhigend. Demnach scheint es so zu sein, dass die Lone Needle von einer Art magischer Barriere umgeben wird, die nichts zu durchdringen vermag. Stahl zerspringt an ihr, Pfeil zersplittert, eine Berührung mit ihr bringt sofortigen Tod. Berichtet wird auch von gigantischen Kreaturen, die nun die Brücke von Garragh bewachen, von gewaltigen Feuern, die in der Nacht rund um die Lone Needle lodern und von Rauchsäulen, rot wie Blut, die Tag um Tag wie riesige Trichter in den Himmel wachsen.