Von den Bestien dieser Welt

Was wäre Aetherra ohne seine Bestien? Nun, vermutlich wäre unser Kontinent nicht mehr als eine Postkartenidylle, und für wagemutige Abenteurer fänden sich nur wenige echte Herausforderungen. Allerdings, sehr zum Leidwesen der geplagten Bevölkerung, liegen die Dinge in unserer Welt anders, denn die Drift verwandelt oft einstmals Vertrautes in finsterste Albträume. Und je länger die Schatten der Drift auf das Land fallen, desto größer wird die Zahl der wandelnden Schrecken. Allerdings: Nur die Wenigsten haben eine Begegnung mit solchen Kreaturen je überlebt. Deshalb verfügen wir auch nur über eine kleine Zahl von Augenzeugenberichten. Über diejenigen Monstrositäten, von denen wir hinreichend Kenntnis haben, wollen wir Euch in unserem Bestiarium gerne berichten, das wir für Euch regelmäßig weiterführen.

 

Anmerkung: Nicht alles, was Ihr hier zu sehen bekommt, wird Euch genau in dieser Form bei Euren Besuchen in Aetherra gegenüberstehen. Manches ist noch Skizze oder Idee und bedarf einer weiteren Ausarbeitung. Und wenn Ihr selbst gelegentlich von Albträumen geplagt werdet oder Ihr konkrete Vorstellungen von Wesenheiten habt, denen Ihr Euch auf Euren langen Reisen durch Aetherra gerne zum Kampf stellen möchtet: Wir lassen uns von Euren Vorschläge gerne inspirieren. Schreibt uns einfach an info@unbended.de oder äußert Eure Wünsche im Forum und diskutiert sie mit anderen UNBENDED-Unterstützern. Wir freuen uns, von Euch zu lesen.


 

Demnächst in unserem Bestiarium:

nonamesnail Ortrut (Gewinner der Halloween Challenge)


Der Schwarze Scartarius (Driftkäfer)

driftkaeferWer in den Tagen der seltsamen Veränderungen die Alten Flusslande am Enthuin bereist, sollte auf allerlei Schrecknisse vorbereitet sein und sich – gerade in den Nachtstunden – dort nur mit höchster Vorsicht bewegen. Noch lieber würden wir dazu raten, rechtzeitig eine sichere Herberge aufzusuchen, denn die Stunde der Dämmerung ist die Zeit des Schwarzen Scartarius, einer Kreatur, deren Beutegier ebenso gewaltig ist wie die ungeheure Kraft ihrer Fänge und Kiefer.

Der Schwarze Scartarius, oder Driftkäfer, wie er von einigen Bewohnern der Alten Flusslande genannt wird, gehört zu jenen Monstrositäten, über die erst seit sehr kurzer Zeit berichtet wird, die jedoch vermehrt überall auf dem Kontinent auftauchen und den Menschen Aetherras immer bedrohlicher zusetzen. Dabei ist der Schwarze Scartarius eine besonders abscheuliche Kreatur, deren regelrecht absurd anmutendes Äußeres ein Hinweis darauf sein könnte, dass diese vierbeinige Tötungsmaschine einer Dimension jenseits der uns bekannten stammt. Manche Gelehrte mutmaßen indes, dass es sich bei diesen neuen Ungeheuern um Wesenheiten handeln könnte, die durch unheilige Kräfte entstanden sind und dass just diese Energie es vermag, uns bekannte Lebewesen sozusagen zu neuen Lebensformen zu verschmelzen und ins Absurde zu entstellen, so dass sie uns nicht mehr irdisch anmuten, sondern wie bösartige Zerrbilder von Aureths göttlicher Schöpfung.

Was auch immer das Erscheinen des Schwarzen Scartarius verursacht haben mag: Die Gefahr ist real und nur ausgesprochen gut gerüstete Reisende werden überhaupt eine Chance haben, die direkte Begegnung mit einem Driftkäfer zu überleben. Der hohe, auffallend hochbeinige Insektenleib (ein ausgewachsener Scartarius kann die anderthalbfache Schulterhöhe eines Cambrischen Schlachtrosses erreichen) ist mit einer fast undurchdringlichen Chitinhaut bedeckt und die Rückenpartie des Ungeheuers wird zusätzlich mit einem schweren Hornpanzer geschützt, der zu allem Überfluss mit tödlichen Dornen gespickt ist. Der Scartarius bewegt sich mit schnellen und präzisen Sprüngen. Die dolchartigen Klauen am Ende seiner Gliedmaßen geben ihm dabei perfekten Halt und machen es diesem Nachtschrecken besonders leicht, jede Art von Hindernis zu überklettern. Weder Baumkrone noch Wehrturm sind sichere Verstecke, hat der Schwarze Scartarius einmal die Spur aufgenommen.

Zu den anatomischen Seltsamkeiten des Driftkäfers gehören seine riesigen Augen, die nicht dem eines Insekts entsprechen und die ihm selbst in völliger Dunkelheit von Nutzen sind und ein Schwanz, der nicht nur dafür sorgt, dass die Monstrosität besonders geschickt balancieren kann. Es gibt glaubwürdige Berichte darüber, dass Driftkäfer ihre Cauda auch dazu benutzen, um sich an schweren Ästen festzuklammern. Schließlich lassen sie sich dann aus der Höhe auf ihre überraschten Opfer fallen.

Der Schwarze Scartarius tötet seine Beute durch Vergiften. Die gewaltigen Zähne sondern ein Sekret ab, das einen Menschen binnen Sekunden vollständig lähmen kann. Ist das Opfer wehrlos, wird es mit den Kiefern gepackt und weggeschleppt, damit der Driftkäfer sein schauriges Mahl in Ruhe beginnen kann.

Unbesiegbar ist jedoch auch diese Kreatur nicht und die Augen des Scartarius scheinen eine besondere Schwachstelle zu sein. Zum einen vermag besonders helles Licht die Driftkäfer zeitweise zu verwirren und ihrer Orientierung zu berauben und zum anderen soll es einem Kämpfer gelungen sein, einen Schwarzen Scartarius mit dem Schwert zu töten, indem er diesem den Stahl tief in eines der bösartig blickenden Augen trieb. Denjenigen, die mit der Waffe nicht so geübt sind und deren Heldenmut weniger ausgeprägt ist, bleibt – wie eingangs erwähnt – nur die Flucht, stößt man auf einen dieser wandelnden Albträume. Und dabei ist höchste Eile geboten, denn ein Scartarius, der einmal die Spur aufgenommen hat, verfolgt sein Opfer erbarmungslos – auch über viele Meilen. Möge Aureth Euch in diesem Fall mit göttlicher Geschwindigkeit segnen.


Die Cranguilla

CranguillaWer Aetherra bereist, der weiß, dass man sich von den Küsten mancher Gewässer fernhalten sollte, möchte man als lebender Wanderer sein Ziel erreichen. Zwar sind die meisten der albtraumhaften Kreaturen des Anfangs längst aus den Äthermeeren verschwunden, doch wird häufig von Monstrositäten berichtet, die den Alten Kreaturen in Sachen Grausamkeit in nichts nachstehen. Um Euch zur Vorsicht zu mahnen, möchten wir in diesem Teil unseres Bestiariums Euren Blick für die gewaltige Cranguilla schärfen, eines jener Wesen, die erst seit recht kurzer Zeit die Äthermeere durchstreifen, stets auf der Suche nach Beute.

Die Cranguilla, die im Volksmund oft auch als Schädelaal bezeichnet wird – einige seefahrende Völker nennen sie den „Schwimmenden Tod“ – ist eine unglaublich geschickte Schwimmerin, die es vermag, sich stets der Form und Geschwindigkeit von Wellen und Meeresströmung anzupassen. Mehr als ein Schemen werdet Ihr von der Cranguilla deshalb nicht sehen, bevor ihr gewaltiger Leib schließlich aus dem Wasser peitscht. Dann ist es jedoch längst zu spät, denn die tödliche Kreatur benötigt weder Klauen noch Krallen, um ihre Opfer in die Sphären der Verdammnis zu katapultieren.

Auch wenn wir über die Herkunft der Cranguilla nicht viel wissen, so scheint es doch so zu sein, dass sie ein Abkömmling der Kreaturen des Anfangs ist, ein Wesen aus einer Familie von Urmonstren, die die Gelehrten als „Archäen“ bezeichnen. So ist ihre Nahrung nicht etwa das Fleisch ihrer Beute. Die Cranguilla gehören vielmehr zu den sogenannten Seelensaugern. Sie hüllen das Opfer in eine Art schwarzen Nebel ein, der es offenbar vermag, die Seelen aus den Körpern der Unglücklichen zu lösen, so dass die Ungeheuer diese schließlich in sich aufsaugen können. All das geschieht so schnell, dass das Auge eines Menschen dem abscheulichen Vorgang kaum folgen kann. Doch damit findet der Schrecken, den eine Cranguilla verbreitet, noch lange kein Ende, denn die um ihre Seelen Beraubten, können nicht sterben – dafür sorgt die Essenz der Kreaturen, die aus lebenden Menschen innerhalb eines Lidschlages wandelnde Tote macht.

Wer schon von den Geisterschiffen hörte, die immer häufiger vor den Küsten Aetherras gesichtet wurden, der hat Wahres erfahren, denn oftmals besteht die Besatzung solcher schwimmenden Särge aus den Opfern einer Cranguilla. Denn: Wer von ihrer Essenz schmeckt, wird zu einem ewigen Berserker, gnadenlos, seelenlos, alles Lebendige hassend und rasend vor Mordgier.

Nur wenige, die eine Cranguilla zu Gesicht bekommen haben, konnten ihr Wissen weitergeben, denn solche fatale Begegnungen überlebt man höchst selten. Es scheint sich um ein Wesen von einer Länge bis zu 200 imperialen Ellen zu handeln, das einer gewaltigen Schlange ähnelt, während seine Bewegungen an einem Aal erinnern. Dies und die Tatsache, dass das Haupt der Cranguilla einem skelettierten Menschenschädel ähnelt, der ein geradezu teuflisches Grinsen zu zeigen scheint, brachte den Cranguilla die Bezeichnung Schädelaal ein – fast schon ein liebkosendes Wort für eine solche Kreatur der absoluten Finsternis.

Der besagte Schädel ist übrigens keineswegs die Schwachstelle der Cranguilla, denn er gilt als undurchdringbar und selbst schwere Schiffsgeschütze sollen an ihm bereits gescheitert sein. Auf dem Schädel des Monsters thront ein langes, blutfarbenes Horn, das die Cranguilla dazu nutzt, Schiffsrümpfe schneller und sauberer zu zerteilen, als es ein Dutzend cambrischer Zimmerleute vermögen würde. Ihr schlanker Körper wird von einem dichten Schuppenpanzer besetzt, der dieser grotesken Abscheulichkeit einen bläulichen Schimmer verleiht.

Es gibt keine glaubhaften Berichte darüber, dass es Menschen jemals gelungen wäre, eines dieser Schreckenswesen zu besiegen, auch wenn sich wohl einige an diesem Unterfangen versucht haben, denn der Tyrann von Tal‘Ad Mera verspricht ein wahres Vermögen in Gold und Edelsteinen demjenigen, der ihm das Haupt einer Cranguilla überbringt. Dieser Schädel würde gewiss einen besonderen Platz in seiner berühmten Trophäensammlung erhalten, in der er Überreste der schlimmsten Kreaturen des Kontinents und der Meere zur Schau stellt –gegen klingende Münze, wie sich versteht. Jedoch gibt es Erzählungen aus dem Nordosten Aetherras, die davon berichten, dass es dort ein geheimnisvolles Volk gibt, das die Äthermeere seit frühester Zeit bereist und dabei einen Weg gefunden hat, die Sprache vieler Meeres-Archäen zu verstehen und mit diesen zu kommunizieren. Dadurch sollen sie in der Lage sein, solcherlei Schrecken der See von ihren Küsten zu vertreiben und selbst im schwärzesten Gewässer zu navigieren. Um wen es sich bei diesem erstaunlichen Volk handelt? Nun, wir werden dies zu einem späteren Zeitpunkt für Euch enthüllen, soviel sei geschworen.

Leider bedarf es an dieser Stelle noch eines kleinen Nachtrags, denn es scheint sich als wahr herauszustellen, dass eine kleinere Art der Cranguilla mittlerweile viele Flüsse im Inneren des Kontinents heimsucht und hier bereits für eine beträchtliche Zahl an Opfern sorgte. Diese als „Flussschädel“ bezeichnete Verwandte der Meeres-Cranguilla steht ihren größeren Cousinen offenbar in Sachen Grausamkeit in nichts nach. Denkt an unsere Warnung, bevor Ihr einen Fluss überqueren wollt.


Der Schlundvampir

Der Name dieser Kreatur klingt für Euch albern? Sagt es ihr doch einfach persönlich, wenn Ihr denn noch die Gelegenheit dazu erhaltet. Die schlechten Nachrichten: Kreuze, Knoblauch und Holzpflöcke nützen Euch gegen diese Wesen überhaupt nichts. Sie verlieben sich auch nicht, stimmen die überlieferten Geschichten, in niedliche, menschliche Heldinnen. Im Endeffekt sind die Schlundvampire einfach perfekte, gewaltige Tötungsmaschinen, gesegnet mit enormen Körperkräften und einer bewundernswerten Behändigkeit. Diese Geschöpfe sind auch nicht im eigentlichen Sinne Vampire, zumindest nicht dann, wenn man ihre Ernährungsgewohnheiten genauer betrachtet. Schlundvampire pflegen alles Lebendige, das nicht zu ihrer Rasse gehört, in handliche Stücke zu zerreißen und roh zu verspeisen – das tun sie schnell und mit tödlicher Effizienz.

Gibt es auch gute Nachrichten? Im Prinzip ja, denn die Schlundvampire findet Ihr nur an einer einzigen Stelle in Aetherra. Die Kartenkundigen unter Euch haben es bereits geahnt: Es handelt sich natürlich um den Schlund von Dimona, der sich am äußersten südwestlichen Zipfel des Kontinents befindet. Man kann sagen: Oben Wüste, unten Schlund – so was geht ja meistens nicht gut. Damit wäre dann auch der Name dieser speerzahnigen Ungeheuer geklärt. Wem es trotzdem noch zu unbedrohlich klingt, der bediene sich des Namens, den die Bewohner der Gebiete in der Nähe des Schlunds ihnen gaben: Hakkra Shizzar, was, wenn man es frei übersetzt, in etwa „Dunkelgeborene“ bedeutet.

Sind die Schlundvampire eine Plage und Gefahr für die menschlichen Siedlungen in der Nähe? Eher selten. Schlundvampire können nur im besonderen Mikroklima der Höhlen von Dimona überleben. Sind sie längere Zeit den Bedingungen auf der Oberfläche von Aetherra ausgesetzt, verenden sie. Das bedeutet nicht, dass diese Wesen nicht gelegentlich zu kleinen Jagdausflügen in die Region aufbrechen, allerdings sind solche Beuteflüge der Schlundvampire nicht besonders ausgedehnt, da sie sich selten mehr als nur wenige cambrische Meilen von ihren sicheren Zufluchtsstätten fortbewegen. So geraten ihnen normalerweise höchstens ein paar unvorsichtige Reisende zwischen die furchterregenden Fangzähne.

Was wissen wir über die Geschichte dieser Monstrositäten? Nun, die Erzählungen sind hier nicht einheitlich; es scheint jedoch festzustehen, dass die Vampire Abkömmlinge sehr viel älterer Wesen sind, die von den Chronisten noch zu den Kreaturen des Anfangs gezählt werden. So heißt es, dass es Aureth nicht gelang, jeder seiner frühen Schöpfungen wieder habhaft zu werden. Einige von ihnen zogen sich in den Schlund von Dimona zurück und verbargen sich in der undurchdringlichen Finsternis dieses Ortes, bis der Schöpfer seine Suche schließlich aufgab. Hier, tief unter der Erde, entstand dann das Reich der Schlundvampire, ein Ort, der an Seltsamkeit wohl alles übertrifft, was in Aetherra zu finden ist.

Zum Schluss noch eine weitere schlechte Nachricht: Es gibt Dinge, die tief im Schlund verborgen liegen und die von elementarer Bedeutung sind, wenn es darum geht, ein wirksames Mittel gegen die Auswirkungen der Drift zu finden. Macht Euch also auf einen Abstieg gefasst, den sich nur die Wenigsten wünschen würden.


Der Nachtmahr

Häufig stammen die Kreaturen, die von der Drift geschaffen werden, aus den tiefsten Albträumen der Schlafenden. Ein Beispiel dafür ist der Nachtmahr. Durch die Macht der Drift in der realen Welt manifestiert, sind die Nachtmahre eine tödliche Bedrohung für jeden, der ihnen begegnet. Bevor der Nachtmahr seine verheerenden Attacken mit Klauen und Zähnen ausführt, versetzt er seine Beute gerne in Schockstarre, indem er seinen Todesschrei ausstößt. Für das Opfer beginnt damit ein albtraumartiges Martyrium, denn der Nachtmahr liebt es, seine bewegungsunfähige Beute zu quälen, bevor er sie schließlich tötet.

Der Nachtmahr kann uns überall in Aetherra begegnen. Nachtmahre sind stets Einzelgänger und sie greifen immer aus den Schatten an. Sie verabscheuen helles Tageslicht, da sie von diesem nachhaltig geblendet werden. Die spinnenähnlichen Gliedmaßen der Nachtmahre sind mit einer widerstandsfähigen Panzerung überzogen, was sie gegen physische Angriffe gut wappnet. Einzig die Augen und das Maul sind bei den Nachtmahren als Schwachstellen auszumachen. Deshalb attackiert ein erfahrener Nahkämpfer oder Bogenschütze bevorzugt diese Stellen. Hier ist jedoch Eile im Kampf geboten, denn Nachtmahre können erlittene Verwundungen schnell selbst heilen.

Die Nachtmahre sind sehr wendig und flink, was schon vielen Kämpfern zum Verhängnis wurde. Die Mahre sind zudem vorzügliche Kletterer und sie lassen sich auch von steilen Festungsmauern nicht aufhalten. Gegen Magie sind sie häufig immun, jedoch fürchten sie die Mächte des Feuers. Auf einen direkten Kampf mit einem Nachtmahr sollten sich nur erfahrene Recken einlassen, die im Kampf bereits ihre Meriten erworben haben. Für alle anderen bleibt nur die schnelle Flucht – oder ein überaus grausamer Tod.